In den Wirren der Viren…

Gedanken und Anregungen zum Umgang mit dieser Situation.

Wir befinden uns in einer aussergewöhnlichen Situation. Sie bringt für alle Menschen eine Veränderung ihrer Lebensgewohnheiten, Lebens- und Arbeitsverhältnisse. Die Veränderung unserer Sicherheiten, Gewohnheiten bzw. unseres gewohnten Verhaltens, bewirkt Verunsicherung. Unsicherheit hat etwas mit Angst zu tun.

An dieser Stelle biete ich allen, die das interessiert ein paar Sichtweisen und Tools zum Umgang mit Angst an.

  • Angst ist zunächst kein Problem. Sie ist eine natürliche Ressource, die wir in bestimmten Situationen fühlen und nutzen können. Natürlich erscheint sie mir, weil sie überall in der Natur zu finden ist. Beobachte beispielsweise ein Reh, das  wittert. Es ist hellwach, nutzt seine stärksten Sinne (Hören und Riechen), um mit voller Präsenz wahrzunwehmen, ob es eine Gefahr gibt oder nicht. Die Angst stellt dem Reh einige wesentliche Ressourcen zur Verfügung, wie erhöhte Wachsamkeit, volle Konzentration, verminderte Ablenkungsbereitschaft, Unterscheidungsfähigleit (gefährlich oder nicht). Erst nach diesem Wahrnehmungsgeschehen trifft das Reh die Entscheidung, was jetzt dran ist, fliehen oder weiteräsen, langsam in Deckung  gehen und abwarten etc….Es findet eine angemessenen Umgang mit der Situation. Das ist wertvoll, denn würde es in jeder Situation fliehen, wäre das sehr energieraubend und gefährlich. Würde es niemals fliehen, wäre das ebenfalls gefährlich, weil es dann  einen Jäger oder Räuber oder eine andere Gefahr nicht erkennen würde.
  • Wenn wir also Angst als natürliche Ressource nutzen können, brauchen wir eine wesentliche Unterscheidung: habe ich Angst (als Ressource, die ich annehme) und gehe ich bewusst mit ihr um oder hat die Angst mich, also bestimmt sie mich und geht sie mit mir um?

Praxis mit dem Gefühl Angst

  • Wenn Du Angst fühlst, schiebe sie nicht weg, sondern erlaube dir, sie zu fühlen und weiter zu atmen. Ein paar Atemzüge und noch ein paar….
  • Frage dich, wie hoch deine Angst auf einer Skala von 1-10 gerade ist und beantworte das für dich.
  • Um deine Angst greifbarer zu machen, finde ein Symbol wie einen Stein oder einen anderen für dich passenden Gegenstand in deiner Nähe, der für deine aktuelle Angst steht und lege, stelle diesen vor dich hin.
  • Sprich diesen Gegenstand dirket an mit „meine Angst,  aus welchen Grund bist du da?“ Oder frage dich selbst, wenn das für dich besser funktioniert:  Wovor habe ich jetzt gerade Angst? Diskutiere nicht mit deiner Angst und nimm das erste, was auftaucht. Benenne die Antwort mit Worten, die du aufschreibst oder laut aussprichst.  Das ist Wesentlich. Dann ist deine Angst nichts, Unsichtbares, Unfassbares, sondern etwas, das du konkret benennst.
  • Jetzt stelle deinem Angst-Symbol oder der Angst in dir die Frage: Was rätst du mir, wie ich mit der bängstigenden Situation umgehen kann? Lass dir etwas Zeit und bleibe im Kontakt mit deiner gefühlten Angst und Blickkontakt oder Körperkontakt mit dem Symbol. Sprich die Antworten aus und/oder schreibe sie auf. Wähle aus den entstandenn Antworten diejenige aus, die deine Angst an  1. Stelle sieht. (frage sie danach) Dann die zweite und dritte Stelle…
  • Damit hast du konkrete Handlungsoptionen.
  • Bedanke dich bei deiner Angst.
  • Wenn du willst, überprüfe auf deiner inneren Skala von 1-10, wo du die Angst jetzt verortest.

Du kannst das kultivieren oder trainieren, indem du das jedesmal machst, wenn du Angst fühlst. Du kannst deine Ängste auch einem Menschen gegenüber aussprechen, dem du vertraust. Bevor du das tust, stelle sicher, dass dieser Mensch einverstanden ist, zu hören, was du sagst, ohne es zu beurteilen, zu kommentieren, ohne mit dir darüber zu diskutieren und dich mit Ratschlägen zu überhäufen. Satt dessen wiederholt er/sie, was du über deine Angst gesagt hast und du bestätigst das, wenn du dich gehört und richtig verstanden fühlst.

Trainings zum bewussten Umgang mit Gefühlen wie Angst, Wut und Traurigkeit bieten wir in folgenden Kursen und Formaten an: Männer-InitiationFeuerlaufWut-Training in der Natur – ProzessbegleitungCoaching.
Coaching und Prozessbegleitung sind jederzeit telefonisch oder via skype möglich.

Tipps zum Umgang mit dieser aussergewöhnlichen Situation

Nachrichten, Informationen von Außen

  • Dosiere bewusst, wie oft du Nachrichten hörst oder siehst. Worte und Bilder sind machtvoll und sie beeinflussen dich mehr als es vielleicht den Anschein hat.
  • Du bist auch ein Experte/eine Expertin, wenn es darum geht für dich einzuschätzen, was für dich relevant ist und was nicht, womit du dich stimmig fühlst und womit nicht, was dich stärkt und was dich schwächt.  Bewahre dir diese Kompetenz.
  • Glaube nicht alles, was dir im Zusammenhang mit dieser Situation an Informationen, Einschätzungen etc. begegnet. Glaube auch nicht alles, was du selbst denkst. Überprüfe alles mit Herz, Gespür und Verstand = gesunder Menschenverstand.

Soziale Kontakte

  • Nimm Kontakt mit Freunden und Familienenmitgliedern, KollegInnen und Nachbarn auf. Achte darauf, dass in diesem Kontakt nicht über Politik und die aktuelle äußere Situation gesprochen wird, sondern darüber wie es dir und deinem Gegenüber gerade geht, was jemand/du brauch(s)t, wie ihr mit der Situation umgeht, was euch berührt, bewegt und beschäftigt. Bleibt dabei nicht an äußeren Faktoren (Politik, Anordnungen, Nachrichten…) hängen. Wenn das doch geschieht, lenke das Gespräch freundlich und bestimmt wieder zurück zum Wesentlichen.
    • Zuhören ist wichtig. Bestätige  Wahrnehmungen, Erlebnisse, Ideen, Gefühle (auch Angst, indem du fragst, wovor genau hast du Angst), die jemand von sich mittteilt.
    • Bestätige nicht, was du als schwächend erlebst, sondern weise darauf hin, was du wahrnimmst. Sei freundlich, klar und präsent, wenn du im Kontakt mit anderen bist.

Struktur

  • Schaffe dir eine Struktur, die dir gut tut, wenn deine gewohnten Strukturen teilweise oder ganz verloren gegangen sind. Was ist jetzt dran? Was ist jetzt wichtig? Was brauche ich? (Mein Körper…Nahrung, Bewegung, Ruhe…, mein Herz…..Kontakt, Austausch, Mitgefühl…..welche Gefühle sind da und was können sie mir mitteilen…..mein Verstand…welche Informationen und wieviel….was denke ich?….tut mir das gut, es zu denken?… will ich das wirklich denken?…….welche Ideen habe ich? …..Was kann ich für Andere tun?….mein energetisches Sein….was stimmt für mich? was stimmt nicht?…wie komme ich in ein Gleichgewicht?…..womit bin ich zufrieden?…..was brauche ich wirklich? Was nicht?…….Vielleicht brauchst du auch unstrukturierte Zeit.

Möglichkeiten finden, Angebote annehmen

  • Jede aussergewöhnliche Situation so wie diese beinhaltet Möglichkeiten und Chancen, die wir ohne sie nicht wahrnehmen würden. Auch wenn Vieles unbequem und teilweise unangenehm ist, finde deine Möglichkeiten im Umgang damit. Ausserordentliche Situationen machen uns dünnhäutig und sensibel. Wir können diese Sensibilität nutzen, anstatt sie wegzuschieben (mit Ablenkungen-welche sind das bevorzugt bei dir?)
  • In Situationen wie dieser  kommen oft Themen und Erinnerungen auf, die unsere Aufmerksamkeit brauchen, die Unterstützung und Anteilnahme durch andere Menschen brauchen. Das ist wertvoll. Widme dich ihnen immer wieder und wenn du Unterstützung brauchst, frage danach. Auch ich bin ein solcher möglicher Unterstützer. Nimm gerne mit mir Kontakt auf. Es ist Teil meiner Berufung zu begleiten, zu initiieren, zuzuhören oder vertiefende, bewusst machende Fragen zu stellen.

Ich bin gerade mit vielen Menschen im Kontakt und Gesprächen und freue mich über deren Fähigkeit, Möglichkeiten zu finden, die sie in dieser Situation als unterstützend, bereichernd oder annehmbar erleben.

Ich wünsche uns allen einen bereichernden und bewussten Umgang mit dieser Herausforderung.

Arthur Dorsch am 25.3.2020

Lieber Arthur,

gerade habe ich Deinen Text „In den Wirren der Viren“ gelesen und danke Dir sehr für Deine klaren und einfühlsamen Worte.
Auch ich bin dabei, mir neue Strukturen und Routinen zu schaffen und fühle mich sehr bestärkt darin, MEINEN Weg zu finden und zu gehen.
Das „Finden“ gelingt mir mit Hilfe meiner Angst sehr gut und Deine Tools haben mir gerade eben noch einige Impulse gegeben, das Ganze weiter zu vertiefen und runder zu machen (ich hab z.B. das Atmen öfter mal vergessen – und einen Stellvertreter für die Angst zu nutzen finde ich einfach genial…)
Florian, Trainer,Coach, 45 Jahre, Burglengenfeld am 31.3.2020